Leserbrief: “Weibliche Autonomie ist nicht verhandelbar!” ÖSI reagiert.

Weibliche Autonomie ist nicht verhandelbar-Julia Hobiger
Ein in der NÖN erschienener Artikel, der Widerspruch fordert: Julia Hobiger für die ÖSI Bezirk Gmünd

Weibliche Autonomie ist nicht verhandelbar-Julia Hobiger

Julia Hobiger, ÖSI-Gemeinderätin Großschönau ULG

Vorweg: Schwangerschaftsabbrüche sind kein Mord! Meinen Leser:innenbrief möchte ich mit einem Zitat der ehemaligen Frauenministerin Dohnal beginnen: „Aus taktischen Gründen leise zu treten, hat sich noch immer als Fehler erwiesen.“ In diesem Sinne also laut und klar: Wer Schwangerschaftsabbrüche als „Mord“ bezeichnet, führt keine sachliche Debatte, sondern versucht Frauen als Täterinnen, Ärzt:innen als Kompliz:innen und eine legale medizinische Versorgung als einem Verbrechen darzustellen. Das ist ein Angriff auf die Selbstbestimmung von Frauen.

Die Fakten: In Österreich gilt die Fristenregelung. Sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger Kämpfe um körperliche Autonomie von Frauen. Das Gesetz erlaubt einen Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten zwölf Wochen. In diesem Stadium handelt es sich um einen Embryo, aber nicht um einen überlebensfähigen Menschen mit Bewusstsein, eigener Existenzfähigkeit oder Rechtsstatus. Die Gleichsetzung mit „Kindesmord“ ist sachlich falsch und bewusst irreführend. 

In dem Artikel wird nicht „Leben geschützt“. Hier wird eine Ideologie verteidigt. Eine Ideologie, in der weibliche Autonomie zweitrangig ist, solange ein potenzielles Leben instrumentalisiert werden kann. Es geht nicht um Embryonen. Es geht um Kontrolle. Es geht darum, Frauen wieder in eine Rolle zu drängen, in der sie primär als Gebärende existieren, nicht als vollwertige, entscheidungsfähige Subjekte.

Gesellschaftlich auffällig ist die selektive Empörung. Die gleiche Vehemenz, mit der Schwangerschaftsabbrüche skandalisiert werden, findet sich selten bei Themen wie Kinderarmut, Gewalt gegen Frauen, kostenlosem Zugang zu Verhütungsmitteln oder der prekären Lage Alleinerziehender. Das „ungeborene Leben“ wird zur moralischen Projektionsfläche während bereits geborene Kinder zur gesellschaftlichen Randnotiz verkümmern. Ebenfalls auffällig ist in dem Artikel aber auch die rassistische und absurde Idee, die Anzahl der Schwangerschaftsabbrüche hänge mit der Anzahl der muslimischen Kinder in Österreich zusammen. Ein Argument zum Fremdschämen!

Fazit: Die Empörung in dem Artikel über das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche ist politisches Kalkül, welches versucht, jahrzehntelange Anstrengungen feministischer Bewegungen zu untergraben. Was hier als „Lebensschutz“ etikettiert wird, ist in Wahrheit ein ideologisches Projekt, das weibliche Autonomie erneut zur Verhandlungssache machen will.

Dem muss widersprochen werden, und zwar laut, entschieden und ohne beschönigende Relativierung.

Mit Nachdruck

Julia Hobiger (Ökosoziale Initiative Gmünd)

Weibliche Autonomie ist nicht verhandelbar-Julia Hobiger